Wir sind froh, wieder für unsere Gäste da sein zu können!

Die Gastronomie wurde durch die Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Auch Julias Café war für zwei Wochen komplett geschlossen, bis Stück für Stück die Normalität zurückkehrte, zunächst mit einem „To go“-Angebot und einem Lieferservice, nun auch mit Bewirtung im Innen- und im Außenbereich. Wie Julia Holzvoigt mit der Zwangspause umgegangen ist, berichtet sie im Interview.

Wie waren für Dich die Wochen ohne Dein Café?

Julia: Die Zeit vor der Schließung war für uns seltsam. Die Menschen waren schon angehalten, zu Hause zu bleiben; alle waren verunsichert. Also waren wir erst mal froh, als mit der Schließung Klarheit herrschte. Was ich zunächst nicht geglaubt hatte: Dass die Schließung der Gastronomie so lange dauern würde. Zwei Wochen ließen wir vergehen, dann mussten wir etwas tun und haben Kuchen und Eis „to go“ angeboten. Die Gäste kamen und waren sehr dankbar über unser Angebot. Bald darauf hatte meine Tochter Sarah, ebenfalls Gastronomin mit Leib und Seele, die Idee für einen Lieferservice. Gesagt, getan. Auch das wurde super angenommen, vor allem unser Frühstücksangebot. Das „Frühstück für zwei“ wird heute noch gerne bestellt, sodass es vorerst im Angebot bleibt, allerdings jetzt zum Abholen.

Welchen Teil Deiner Arbeit hast Du am meisten vermisst?

Julia: Meine Gäste, ganz klar. Die erste Zeit habe ich genutzt, um runterzukommen. Diese Möglichkeit bekommt man als Gastronomin nicht so oft. Wir haben das Familienleben genossen. Für meinen Mann Uwe und mich war das geschenkte Zeit. Meinen Sohn und mich hat das Puzzle-Fieber gepackt, ja wirklich. Irgendwann haben wir es aber nicht mehr ausgehalten und waren jeden Tag im Café, um dort zu frühstücken oder nur um es anzuschauen. Verrückt, oder? Doch ohne die Gäste und das Café-Leben war es für uns nicht dasselbe.

Was war für Dein Team und ich Dich die größte Herausforderung, als Ihr zunächst den Außenbereich wieder öffnen durftet?

Julia: Die ersten Tage waren hart für uns. Für alle war das schließlich eine ganz neue Situation. Durch die Vorgaben zu Hygiene und Abstand ergaben sich ganz neue Abläufe, eben zum Beispiel dass sich die Gäste zunächst anmelden oder die Tische nach jedem Gast desinfiziert werden müssen. Salz und Pfeffer müssen gebracht werden. Vor unserem Start hatten wir hierzu eine große Schulung, doch in der Praxis musste sich das erst einspielen. Jetzt klappt es recht gut und wir helfen uns im Team gegenseitig.

Wie reagieren die Gäste auf die neuen Regelungen? Haben sie Verständnis?

Julia: Manche Regeln sind schwer nachzuvollziehen, zum Beispiel dass auf dem Weg zum Platz eine Maske getragen werden muss und man sie abnehmen darf, sobald man sitzt. Auch ist es für manchen eine sensible Sache, persönliche Daten preiszugeben, wie es nun beim Betreten eines Lokals der Fall ist. Ist der Gast aber erst einmal am Platz, ist es im Grunde wie vor Corona. Ein Stückchen Normalität, wenn man so will. Natürlich gibt es unzufriedene Gäste, doch die allermeisten haben Verständnis und halten sich an die Regeln. 

Fällt dir ein besonders schönes Erlebnis im Zusammenhang mit Corona ein?

Julia: Unsere Gäste waren so toll! Als wir Eis und Kuchen zum Mitnehmen gestartet haben, waren viele sofort da und haben uns gesagt: Schön, dass Ihr wieder da seid. Das hat uns bestärkt. Ein Stammgast kam fortan tatsächlich jeden Tag, um uns so zu unterstützen. Wir haben viel Solidarität und Rückhalt erfahren, vielen herzlichen Dank an unsere Gäste!